Bade- und Kurort Disentis

Von Prof. Dr.med. et phil. Glen Condrau, Herrliberg ZH

1. Die Radon-Heilquelle von Disentis

Im Jahre 1879 wies bereits der deutsche Theologe Emil Zittel in seinen Reisebriefen „Aus Disentis“ auf die Bedeutung der St. Plazidus-Quellen für die spätere Entwicklung von Disentis/Mustér als Kurort hin. In anschaulicher Weise erzählt er, wie „aus dem Tobel selbst … mit dem hellen Gebirgswasser, das mit köstlicher Frische durch die lieblichen Anlagen des Kurhauses niederstürmt, auch das Wasser der Plaziquelle mit in den Rhein“ hinabbrauscht, „in frischer, leichter Eissäuerling von notorisch höchst günstiger Wirkung“. Disentis war jedoch schon früher, um die Mitte des 18. Jahrhunderts, seines grossen Mineralreichtums wegen bekannt geworden, wobei insbesondere die erwähnte, unter mächtigen Felswänden hervorsprudelnde Quelle aufgrund ihrer rostfarbenen Niederschlages beim Austritt die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte. Der erste und lange Zeit einzige Hinweis auf die St. Plazidusquelle stammt von einem Disentiser Mönch und Historiker, der ca. 1740 die „sehr heilbringenden Mineralwasser nördlich nicht weit entfernt“ von der Plaziduskirche erwähnte. 1838 wurde von „Mineral­quellen unbekannten Gehaltes“ auf den Höhen von Soliva und Run gesprochen. Fünf Jahre später machte J. Schwarz wiederum auf die „sehr heilsamen Mineralquellen“ nördlich der Plaziduskirche aufmerksam. Eigentlich erkannt wurden die Heilquellen aber erst, als 1878 Prof. Hanimann eine eingehende Analyse durchführte. Von ihm stammt auch die Schrift „Der Eisensäuerling von Disentis“, worin erstmals die Zusammensetzung des Disentiser Heilwassers bekannt gegeben wurde, nachdem die Quellenarbeiten im Oktober 1876 an Ort und Stelle ausgeführt worden waren. In der Einleitung zur Schrift von Hanimann bemerkte Dr. A. von Planta-Reichenau, dass „dieser Säuerling zu den durchaus leichten seines Namens gehört“. Er enthalte vorwiegend Glaubersalz, kohlensauren Kalk und kohlensaure Magnesia mit wenig freier Kohlensäure, „sodass dieselbe auch zarte Constitutionen nicht belästigt, während das Eisen in einem Verhältnis wohltätiger Anregung und Stärkung sich befindet, sodass der Appetit belebt und der Stoffwechsel befördert wird. Er ist sicher bald nach anstrengender Arbeit, bald als Reconvalescenten von Krankheiten oder wiederum ihrer angeborenen zarten Natur wegen in dieser Höhenluft Stärkung suchen“. Der Geschmack des Wassers sei angenehm, einem leichten Eisensäuerling entsprechend, die Wassermenge sehr bedeutend; sie betrage 21,2 Schweizermass pro Minute oder 31,8 Liter. „Die Quelle entspringt in erhöhter Lage direkt aus der Bergseite“.

Als im Jahre 1898 das Ehepaar Curie in der Uranpechblende aus Joachimsthal das Element „Radium“ fand, begann auch die Radiumbehandlung in der Medizin einen immer wichtiger werdenden Platz einzunehmen. Spielte anfänglich die äusserliche Behandlung mit dem Radium beispielsweise bei Hauterkrankungen eine bedeutende Rolle, so wurde besonders für das Bad Disentis die Entdeckung ausschlaggebend, dass sich die Radium-Emanation, ein Gas, welches vom Radium abstammt und ganz ähnliche Eigenschaften besitzt, in allen untersuchten Mineralwässern fand. Es stellte sich heraus, dass gerade die wirksamsten Quellen, wie diejenigen von Gastein, Baden-Baden, Kreuznach u.a., auch die höchsten Mengen an Radium-Emanation aufweisen. Somit war zum erstenmal die Möglichkeit geboten, den sagenhaften „Brunnengeist“ in greifbarer Form in den Mineralwässern nachzuweisen, und namhafte Forscher, wie Prof. Engler und Dr. Sieveking, erklärten: „Der Brunnengeist, der nach sehr verbreitetem altem, instinktivem Volksglauben in den Heilquellen steckte und hier seine örtliche, heilkräftige Wirkung zeigt, tauchte – als Ergebnis neuester exakter wissenschaftlicher Forschung – als Radium-Emanation wieder aus der Tiefe der Quellschichte hervor.“ Angesichts der hohen therapeutischen Bedeutung, die man der Radiumemanation zumass, wurden kurz nach der Jahrhundertwende die bedeutendsten schweizerischen Heilquellen auf ihren Gehalt an Radio-Aktivität hin untersucht. Aus den Untersuchungen von Sury und Sarasin sowie vor allem von Prof. A. Schweizer von der ETH in Zürich ging bereits 1909 hervor, dass die St. Plazidus-Quellen von Disentis die stärksten radioaktiven Quellen der Schweiz darstellen. Bei einem Gehalt von 15 verschiedenen Mineralien enthält das St. Plazi-Wasser mehr Radium-Emanation als sämtliche schweizerischen und als die meisten ausländischen Mineralquellen. Es wird nur von einigen Quellen in Bad Gastein, Baden-Baden, Joachimstal und Lacco Ameno übertroffen. A. Schweizer berechnete für die obere St. Plazidus-Quelle einen Gehalt von 46,7 Mache-Einheiten Radium-Emanation, für die untere Quelle einen solchen von 47,7 ME. Da diese Zahlen für den Nichtwissenschafter als absolutes Mass aufschlusslos sind, seien hier zum Vergleich einige Angaben aus anderen Bädern mitgeteilt: So enthält Fideris 0,16, Baden 0,58, Leuk 0,26, Andeer 0,52, Peiden 2,48, Passugg 0,80, St. Moritz 1,15, Tenigerbad 2,05, Alvaneu 3,77, Solis 8,16, Lavey 11,00 und Orselina 16 bis 20 ME.


2. Das Hotel und Kurhaus Disentiserhof

Die Heilquellen von Disentis gehören der Gemeinde; sie wurden jedoch seit ihrer Nutzung dem 1870 von den Brüdern Prof. Plazidus Condrau, Gründer und Redaktor der Gasetta Romontsche, und Dr. Augustin Condrau, Arzt und Politiker, erbauten Hotel und Kurhaus Disentiserhof in Pacht gegeben. Ein Trinkbrunnen beim Zugang zum Disentiserhof stand allen Vorbeigehenden zur Verfügung. Im Kurhaus selbst wurden Bäder für die Heilwasserkuren eingerichtet. 1876 wurde die Gesellschaft gegründet, am 1. April 1880 die erste Hypothek errichtet, die 1901 von Dr. Augustin Condrau als nunmehr alleinigem Besitzer des Disentiserhofes übernommen wurde. Er führte in der Folge das Kurhaus in der Personalunion als Hotelier und Kurarzt, verkaufte es aber bereits im September 1907 an die Familie Tuor, in deren Besitz es bis 1967 blieb. Mit Kaufvertrag vom 1967 ging der Disentiserhof an die Disentiserhof AG über.

An der Entwicklung des Heilbades Disentis kommt den Kurärzten ein wesentliches Verdienst zu. Zunächst war es, wie gesagt, der spätere Besitzer des Hotels, Dr. Augustin Condrau (1811–1828) selbst, der diese Aufgabe übernommen hatte. Er besass beträchtliche balneologische Kenntnisse, war er doch während mehrerer Jahre als Kurarzt in Dussnang und Wörishofen tätig gewesen. Nach ihm übernahm Dr. Stiefen Berther (1869–1950) die ärztliche Betreuung der Gäste im Kurhaus, dann Dr. Leo Condrau (1889–1966) der Sohn von Dr. Augustin. Letzterer verfasste mehrere medizinische Broschüren über das Heilbad Disentis und war massgeblich an der Modernisierung des Badebetriebes beteiligt. Seit seinem Ableben werden die Badegäste von Disentiser Dorfärzten behandelt.


3. Die klimatischen Verhältnisse von Disentis

Disentis befindet sich im Bereich des kontinentalen Klimagebietes der Alpen. Wie das schweizerische Alpenklima ganz allgemein, ist es gekennzeichnet durch den niedrigen Luftdruck, niedrige Lufttemperatur im Winter, angenehm gemässigte im Sommer, verhältnismässig geringe Bewölkung im Winter und vor allem durch eine intensive Wärme- und Ultraviolettbestrahlung. Spezifisch für Disentis mit seiner Lukmanieröffnung nach Südwesten sind die höheren Sommer- und Mittagstemperaturen, eine grössere Anzahl klarer Tage im Jahresdurchschnitt, eine geringe Anzahl trüber und nebliger Tage, auch weniger Schnee- und Regentage als beispielsweise im Gotthardgebiet. Die mittlere relative Luftfeuchtigkeit beträgt nach Angaben des meteorologischen Observatoriums in Disentis 66%, die mittlere Jahrestemperatur 6,5°C. Gemäss Gutachten Schirmer vom Januar 1965 ist Disentis praktisch nebelfrei. Nur an 10 Tagen pro Jahr wird durchschnittlich Nebel verzeichnet, der sich meist im Laufe des Tages wieder auflöst. Auch sind in Disentis schwüle Tage praktisch unbekannt, was eine wesentliche Bedingung für einen Klimakurort darstellt. Dadurch wird Disentis mit seiner idealen Höhenlage von 1150 m ü.M. zu einem Kurort, der trotz seines milden subalpin Reizklimas keine Gegenindikation für herz- und kreislaufgeschädigte Patienten darstellt.

Von besonderer medizinischer Bedeutung ist die intensive Wärme- und Ultraviolettstrahlung. Das Strahlungsklima ist ein Heilfaktor ersten Ranges. Die dünne Luft zwingt zu tieferem Atmen, was wiederum zu einer besseren Lungendurchblutung führt. Die Lufttrockenheit bewirkt eine stärkere Durchblutung der Lungenschleim­häute. Dazu kommt eine ausgesprochene Staub- und Keimarmut der Luft, wobei bereits diese „Reinheit der Bergluft“ im Zeitalter der beinahe ubiquitären Luftverschmutzung nicht positiv genug ins Feld geführt werden kann.


4. Die medizinische Bedeutung des Bade- und Klimakurortes Disentis

Drei Faktoren gelten naturgemäss als ausschlaggebend für die Bedeutung eines jeden Kurortes:

a) die zur Verfügung stehenden natürlichen Heilquellen,

b) das Klima,

c) der Milieuwechsel.

Die Heilquelle von Disentis, mit anderen Worten das Radon-Mineralwasser, ist ein schwacher Säuerling; sulfat- und schwach eisenhaltiges Kalzium-Natrium- und Magnesiumwasser; Radongehalt 45,2 ME. Da das Radon als rasch zerfallendes Edelgas nur kurze Zeit im Körper verbleibt, sind keine Strahlenschäden möglich. Die biologische Wirkung des Radons besteht in einer deutlichen Steigerung der Diurese und einer Vermehrung der Harnsäureausscheidung, weshalb Radonquellen stets als „Gichtwasser“ galten. Nach Schirmer soll zudem die schmerzlindernde Wirkung von Radon-Kuren bei „Neuralgien“ auf die besondere Affinität des Radons zu Lipoidaubstanzen beruhen. Neben solchen angeblich spezifischen Wirkungen müssen dem Heilwasser von Disentis, wie jedem Mineralbad, auch allgemeine und spezifische Einflüsse zugesprochen werden. Dazu gehört vor allem die Senkung des Blutdruckes bei labiler essentieller Hypertonie, wobei die allgemeine Entspannung eine wesentliche Rolle spielt. Nach Prof. Böni beruht die Wirkung der unspezifischen Therapie im wesentlichen auf einem Training des vegetativen Nervensystems.

Die spezifische Wirkung des Radonbades von Disentis wurde zweifellos lange Zeit überbewertet. So zeigten sich eindeutige Heilerfolge auch zu einer Zeit, als das Baden „durch ungenügende Fassung und Leitung praktisch völlig verloren ging“ (Schirmer), wobei zu bemerken ist, dass ähnliche Beobachtungen in Bad Gastein gemacht wurden. Dies ist ein Beweis mehr für die Tatsache, dass ein Bade- und Klimakurort wie Disentis nur durch das Zusammenwirken aller Faktoren wirksam sein kann.

So spielt denn auch das Klima eine hervorragende Rolle für den Kurort Disentis. Die gesteigerte Ultraviolettstrahlung (aktinischer Komplex) verstärkt die Abwehrkräfte des Organismus, die niedrige Luftfeuchtigkeit (hygxischer Komplex) und die herabgesetzte Temperatur (thermischer Komplex) bilden mit den dadurch gegebenen Möglichkeiten von Freiluftliegekuren und Sonnenbädern die Voraussetzungen zur Behandlung von allgemeinen und postoperativen Schwächezuständen, kompensierten Herzschäden, chronischer Bronchitis, Emphysem und Asthma bronchiale, von chronisch entzündlichen rheumatischen Erkrankungen und Hautkrankheiten (Psoriasis). Der thermische Komplex bewirkt insbesondere eine Reizung des sympathischen (ergotropen) Systems und vorzugsweise Förderung des parasympathischen (trophotropen) Systems, was zu einer Umstimmung führt.

Als dritter, ebenso wichtiger Faktor gehört zum Kurort die psychologische Wirkung des Milieuwechsels. Der Kranke begibt sich in die „Ferien“, er soll möglichst sein bisheriges familiäres und berufliches Milieu verlassen. Dadurch erhält ein Klimakurort eine bisher kaum beachtete Bedeutung im Bereiche der psychosomatischen Medizin. Dazu gehört dann die Möglichkeit der aktiven Gestaltung der Ferien, der Terrainkuren, der organisierten Spaziergänge, der sinnvollen Unterhaltung. Alle diese Möglichkeiten sind in Disentis gegeben, wobei der Kurverein und das Benediktinerkloster auch für musikalische und kulturelle Anlässe besorgt sind.

So stellen sich zusammenfassend die Indikationen für den Bade- und Klimakurort Disentis wie folgt zusammen:

– Allgemeine Schwächezustände

– Rekonvaleszenz

– Störungen der Wechseljahre und des Alters

– Vegetative Neurosen (vegetative Dystonie)

– Magenkrankheit

– Chronischer Rheumatismus in allen Formen

     – Rheumatische Krankheiten

     – Deformations- und Abnützungsschäden der Gelenke und der Wirbelsäule

     – Nervenentzündungen, Neuralgie, Ischias

– Bewegungsstörungen nach Unfällen

– Periphere Zirkulationsstörungen

–Hoher Blutdruck

– Nachbehandlung von Venenentzündungen

– Anfälligkeit im Kindesalter

– Drüsenschwellungen

– Psychosomatische Erkrankungen

– Erschöpfungsdepressionen

Bei einem weiteren Ausbau der Kurmöglichkeiten kann auch die Indikationsskala erweitert werden (chronische Katarrhe der Luftwege, Asthma bronchiale, Lähmungen, bei vorhandener Diätküche auch Diabetes).


5. Die künftige Entwicklung des Bade- und Klimakurortes Disentis

Durch die käufliche Uebernahme des Kurhauses Disentiserhof wurde von einer interessierten Gesellschaft die Möglichkeit wahrgenommen, Disentis als Erholungs- und Ferienzentrum erneut Auftrieb zu verleihen. Die allgemeinen Pläne für den Ausbau des Hotels und des Therapietraktes liegen weitgehend vor. Bereits 1965 liess der Kur- und Verkehrsverein Disentis durch Dr.med. A. Schirmer ein „Gutachten über den Ausbau des Bade- und Klima-Kurortes Disentis“ erstellen. Dieses kam zum Schluss, dass die Voraussetzungen für den Ausbau und die Intensivierung des balneologischen Betriebes in Disentis sehr günstig sind – „allerdings unter der Bedingung, dass sich die Therapieanlagen in direkter Nähe des Hotels Disentiserhof befinden“. Der Ausbau einer modernen physikalischen Therapie ist dringend notwendig. Diese Therapieanlagen müssten nicht nur den Kurgästen, sondern auch der Bevölkerung von Disentis und Umgebung zur Verfügung stehen. Ein solcher Ausbau ist nur durch eine intensive Zusammenarbeit von Gemeinde, Kurverein und Disentiserhof AG zu verwirklichen.

Tatsächlich ist es praktisch allen Kur- und Badeorten nicht mehr möglich, sich lediglich auf ihre natürlichen Quellen zu stützen. Eine intensive Kur verlangt die Möglichkeit zusätzlicher Heilmittel, wobei die ärztliche Betreuung an erster Stelle erwähnt werden muss. Der Kurarzt muss über eine zusätzliche physiotherapeutische und balneologische Ausbildung verfügen und zudem eingehende Kenntnisse über psychosomatische Medizin besitzen. Möglicherweise könnte ein Kollegialsystem spezialisierter Konsiliarii geschaffen werden. Disentis muss Gewähr bieten können, dass die Kurgäste – unter denen viele Patienten sein werden – internistisch, röntgenologisch, rheumatologisch und psychosomatisch sowohl diagnostisch abgeklärt als auch fachgerecht behandelt und beraten werden.

Die psychosomatische Betreuung der Kranken gewinnt in den ärztlichen Sprechstunden eine immer grösser werdende Bedeutung, gelten doch ein Drittel bis zur Hälfte aller Patienten als „leibseelisch“ (psychosomatisch) krank. Im allgemeinen suchen diese Kranken nicht den spezialisierten Psychotherapeuten auf. Sie sind deshalb auf die Behandlung durch die „somatisch“ tätigen Aerzte angewiesen. Hier eröffnet sich nun gerade für die Bade- und Klima-Kurorte ein weites Feld, das bisher stark vernachlässigt wurde. Psychosomatisch Kranke brauchen in vielen Fällen alles, was ein ärztlich geleiteter Klimakurort zu bieten hat:

d) Aerztliche Diagnostik und Therapie

e) Milieuwechsel („Ferien ohne Familie“)

f) Mildes Reizklima (Einfluss auf vegetatives Nervensystem)

g) Naturverbundenheit (Terrainkuren, Wanderwege, Liegekuren)

h) Leistung – passiv: Physiotherapie – aktiv: Sport, Training, geführte Touren („aktive Ferien“)

i) Aerztlich geführte Einzel- und Gruppengespräche

j) Gesellschaftliche und kulturelle Anlässe

Diese Faktoren zusammen bewirken in vielen Fällen eine psychologische und physiologischen Umstimmung, die ja bei psychosomatisch Kranken angestrebt werden muss.

Im übrigen muss einmal mehr vor allzu weit gehenden und zu hoch gespannten Erwartungen gewarnt werden. Bei der wissenschaftlichen Fragwürdigkeit der Radon-Heilwirkung kommt dem Bad allein keine überragende Bedeutung zu. Obwohl eine gewisse Wirkung (wenn auch mehrheitlich unspezifischer Natur) zweifellos vorhanden ist, dürfte die Errichtung eines eigentlichen Volksbades aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen sein. Abgesehen davon, dass schon die Schüttung zu gering ist, fällt auch die Errichtung eines Thermalschwimmbades mit Radonwasser dahin. Durch die Aufwärmung geht nämlich soviel Radiumemanation verloren, dass die Wirkung bei so grossen Wassermengen auf null herabsinkt. Somit bleibt nur der Ausbau der Trink-, Einzelbad- und Inhalationskuren, mit der Möglichkeit anschliessender Liegezeiten. Eine allgemeine Badregel lautet „Vom Bett ins Bad, und vom Bad ins Bett“. Aus diesem Grunde liegt die Zukunft des Bade- und Klima-Kurortes im Ausbau des Kurbetriebes, der Klimastation und des Hotels Disentiserhof.