im Kanton Graubünden
des stärksten Radium-Mineral-Bades
der Schweiz
MERKBLATT FÜR BADEGÄSTE
von Dr. med. Leo Condrau, Kurarzt
HOTEL UND KURHAUS
„DISENTISERHOF“
BESITZER UND LEITER: R. TUOR
Der junge Rhein entspringt am Tomasee und widerhallt bei seinen ersten Gehversuchen über steile Felswände an den nahen Bergriesen eines Badus, Calmut und Crispalt. Er durchströmt zuerst den Kreis Disentis, die Wiege des jungen Rheines, dessen Zentrum das schmucke mit Wald und Bergesfirnen umrahmte Dorf Disentis, bei 1150 m ü. M., mit weitsichtigem Tale, von jeher als wichtiger Fremdenplatz bekannt war, zumal in Disentis drei wichtige Strasenzüge zusammenlaufen, so die Lukmanierroute, die Oberalppassstrasse und die Chur-Engadinerlinie.
Disentis war schon früh bekannt wegen des grossen Mineralreichtums, der manchem Strahler guten Verdienst brachte. Über 40 verschiedene Mineralarten waren den Mineralkennern bekannt und solche in den meisten Mineralmuseen bis ins Britenreich, ja sogar in Amerika vertreten und rufen die Bewunderung der grossen Naturforscher und Studierenden hervor.
Es ist denn nicht zu verwundern, dass in Disentis, bei dem grossen Mineralreichtum, eine Quelle unter mächtigen Felswänden hervorsprudelt, die schon früh wegen des rostfarbenen Niederschlages beim Austritt die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Sie wurde zu Tale geleitet und anfänglich als Eisensäuerling gegen Blutarmut benützt.
Im Jahre 1909, als die Bädertherapie in der Schweiz zur Behandlung chronischer Krankheiten bereits eine grosse Rolle spielte und der Brunnengeist mit seiner grossen Wirksamkeit nicht zuletzt im Radiumgehalt der meisten Bäder gedeutet wurde, war man zum Entschlüsse gelangt, den im St. Plazitobel entspringenden Eisensäuerling aufs genaueste zu analysieren.
Das Ergebnis dieser Untersuchung gab der St. Plazidusquelle eine viel versprechende Zukunft, insofern es sich herausstellte, dass der Eisensäuerling von Disentis als stärkste radioaktive Quelle der Schweiz und eine der stärksten radioaktiven Quellen von Europa sich erwies. Es seien einige bekannte radioaktive Quellen der Schweiz nach Einheiten in Mache erwähnt: Fideris 0,16, Baden 0,58, Leuk 0,26, Andeer 0,52, Peiden 2,48, Passugg 0,80, St. Moritz 1,15, Somvixertal 2,05, Alvaneu-Bad 3,77, Solis 8,16, Lavey 11,00.
ST. PLAZIDUSQUELLE DISENTIS 47,7
Die Heilfaktoren, die unser Bad Disentis kennzeichnen, liegen in der Hauptwirkung in der Radiumemanationstherapie, die noch bedeutend erhöht werden durch die in den natürlichen Heilquellen vorhandenen Mineralien und chemischen Bestandteile, von denen das Radium-Bad Disentis nicht weniger als 15 aufzuweisen hat: So Natrium, Kalium, Lithium, Calcium, Strontium, Magnesium, Eisen, Aluminium, Fluor, Chlor, Schwefelsäure, Phosphorsäure, Borsäure, Kieselsäure und Kohlensäure.
Seit zirka 30 Jahren sind die radioaktiven Quellen in den Kreis der Heilquellen getreten, von der Erfahrung ausgehend, dass dieselben bei bestimmten, umschriebenen chronischen Krankheiten eine ganz spezifische Wirkung ausüben.
Welche Eigenschaften und welche Wirkungsweise liegen bei der Radiumemanationstherapie im Radiumgas?
Wir erhalten eine bessere Zirkulation, da das Radiumgas im Bad nicht nur Elektrizität, sondern auch Wärme erzeugt. Die Respiration wird eine bessere, indem die Lungenkapazität zunimmt, weshalb mehr Sauerstoff aufgenommen und mehr Kohlensäure abgegeben wird.
Die Drüsen der inneren Sekretion werden zu vermehrter Tätigkeit angeregt.
Das Radiumgas wirkt ferner entzündungswidrig, besonders bei Rheumatismus (Ischias, Neuralgien und Gelenkrheumatismus).
Die Diurese wird bedeutend erhöht, wodurch die Krankheitsstoffe rascher durch die Nieren eliminiert werden.
Bei der Blutarmut wird das Blutbild gebessert, insofern das Radiumgas anregend auf das Blutbildungssystem wirkt.
Aus dem Gesagten ergeben sich folgende Indikationen zur Radiumemanationstherapie:
1. Subakuter und chronischer Muskel- und Gelenkrheumatismus, Ischias und Neuralgien;
2. Gicht, harnsäure Diathese, Diabetes und Nephritis chronica;
3. Arteriosklerotische und nervöse Hypertonie (Blutdruckerhöhung);
4. Nervosität, Neurasthenie, Schwächezustände (Rekonvaleszenz, Alter und Übermüdung);
5. Blutarmut;
6. Erkrankungen des Herzens und der Gefässe (Varizen, Venenentzündungen und Thrombose} ;
7. Krankheiten des Magen-Darmkanals (chronischer Magenkatarrh und chronische Obstipation);
8. Frauenkrankheiten (katarrhalische Entzündungen, Dysmenorrhöe, besonders Entwicklungsstörungen und Menopause).
Bei dem Bestreben, die Indikationen zu kürzen, stellen wir fest, dass wir bei den gegebenen Indikationen der Radiumemanationstherapie aus folgenden Gründen verbleiben. Das Radiumgas wirkt auf sämtliche inneren Organe des Körpers im Sinne einer Steigerung der Zirkulation und somit einer erhöhten Funktion derselben einerseits und einer Belebung sämtlicher Zellen andererseits.
Ein erstes Stadium der Erkrankung liegt in der Übermüdung, d. h. in einer Körperschwäche, bei welcher die inneren Organe in der Leistung nachgeben und nicht genügend Bausteine liefern können, um die bei der strengen Arbeit verbrauchten Materialien zu ersetzen. Wir haben bei solchen Fällen nicht selten die Erfahrung gemacht, dass nicht nur Ruhe und Ferienaufenthalt im Gebirge genügend wirken, sondern, dass eine damit verbundene Radiumemanationstherapie eine beschleunigte Besserung erzielt, somit mit einer nachhaltigeren Wirkung verbunden ist.
Da die Radiumquelle von Disentis nur von einigen Quellen im Ausland übertroffen wird, so schliesst dieselbe einen eminent wichtigen Heilfaktor in sich, ganz besonders noch, weil Disentis 1150 M. ü. M. mit seinem milden, subalpinen Klima ein Luftkurort ersten Ranges ist, welcher eine Fülle von Naturschönheiten in sich schliesst und abwechslungsreiche, kleinere und grössere Spaziergänge ermöglicht, alles Faktoren, die chronisch Leidenden einen neuen Lebensimpuls zu erwecken imstande sind.
Tatsache ist, dass die Luft der geräumigen Trinkhalle und deren Umgebung mit Radiumemanation beladen ist und dass durch den Aufenthalt der Badegäste in der Trinkhalle eine Radiumemanation durch Inhalation die Badekur günstig unterstützt wird.
Die über mehrere Jahrzehnte bekannte Radiummineralquelle hatte bisher eine ordentliche Frequenz und kann vorzügliche Erfolge verzeichnen, bei sämtlichen, oben genannten Indikationsfällen.
Wir laden Sie alle freundlichst ein, kommen Sie nach Disentis, nützen Sie die Radiumquelle möglichst gut aus, baden Sie im Radiumemanationsbad, trinken Sie das radioaktive Wasser, inhalieren Sie in der Trinkhalle die Radiumemanationshaltige Luft, dann werden Sie gestärkt und gesund nach Hause ziehn.